Die goldene Wiege im Silberberg

Vor Zeiten hüteten die Zwerge im Silberberg eine goldene Wiege. Ab und zu brachten sie in mondhellen Nächten ihren Schatz an die Oberfläche und putzten ihn blitzblank. Wurden sie dabei von einem Menschen überrascht, so verschwanden sie pfeilschnell in die Tiefe. Keine Spur verriet die Stelle ihrer Höhle im Berg. Alles Suchen und Graben nach dem Schatz und den Zwergen blieb vergeblich.
Nun wohnten in Garßen aber drei Brüder, die begaben sich in einer Vollmondnacht auf den Silberberg. Der eine versteckte sich hinter dichtem Gebüsch, die andern hinter dicken Bäumen. Bis Mitternacht war alles still. Da hörte der eine in der Nähe plötzlich ein Geräusch und sah wie sich langsam der Boden auftat und die Zwerge hervorhuschten. An silbernen Stricken zogen sie ihre goldene Wiege nach oben. Sie hatten sie aber kaum niedergesetzt, da sprang der Garßener hinter dem Gebüsch hervor und stürzte sich auf den goldenen Schatz.
Die Zwerge waren so überrascht, dass sie ihre Wiege im Stich ließen und hastig wieder in den Berg verschwanden. Auf ein Zeichen kamen die anderen beiden Brüder herbei. Die Wiege war zu schwer; sie konnten sie nicht forttragen. Sie brauchten einen Pferdewagen. Der jüngste wurde losgeschickt, ihn aus dem Dorf zu holen.
Schon nach kurzer Zeit kam ein Gespann heran, wortlos wurde die Wiege aufgeladen und ab ging´s. Nach einer Weile aber sahen die beiden Brüder, erstaunt und verwundert, mit einem Gespann ihren dritten Bruder kommen. Und noch ehe sie begriffen, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zuging, jagte der Fahrer des Wagens mit dem Schatz unter schrecklichem Getöse quer übers Feld davon. Wer sie so getäuscht hatte, war der Teufel.
Seit jener Zeit hat man auf dem Silberberg keine Zwerge mehr gesehen. In stockfinsteren, stürmischen Nächten will man aber manchmal ein Stöhnen und Seufzen wahrgenommen haben, das man für das Klagen der Zwerge um den verlorenen Schatz hält.

2001 Hat eine Gruppe von Schulkindern in Zusammenarbeit mit dem Land Art Künstler Piet Trantel den Zwergen den Schatz auf dem Osterberg „zurückgegeben“. Niemand hat sie seit dem noch jauchzen und klagen hören

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